HĂ€ufig gestellte Fragen ("FAQ") zur Krise
âWas die Weltwirtschaft angeht, so ist sie verflochten.â (Tucholsky)
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Wovon wurde die Krise eigentlich genau ausgelöst?
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Direkter Auslöser der aktuellen Finanzmarktkrise war der Zusammenbruch des US-amerikanischen Immobilienmarktes, die sog. Subprime-Krise.
WertpapierhĂ€ndler und Hypothekenbanken verkauften aktiv Haus- und Wohnungskredite an Kunden mit geringer KreditwĂŒrdigkeit (âsubprimesâ). Meist handelte es sich um Lockangebote, z. B. Kredite die im ersten Jahr tilgungsfrei sind und niedrige Anfangszinsen haben, spĂ€ter aber stark steigen. WĂ€hrend im Jahr 2000 nur 3 Prozent aller Hypotheken Subprime-Hypotheken waren, stieg dieser Anteil bis 2006 auf 14 Prozent an, das Volumen aller Subprime-Hypotheken stieg von 150 Milliarden. auf ĂŒber 600 Milliarden US-Dollar an.
Die Banken hielten die Hypotheken nicht mehr in ihren eigenen Bilanzen, sondern verkauften diese â und damit das Risiko durch drohende AusfĂ€lle â an den FinanzmĂ€rkten weiter. Dadurch konnten sie weitere Kredite vergeben und somit höhere Gewinne erwirtschaften. FĂŒr den Weiterverkauf schnĂŒrten sie die Papiere zu einem BĂŒndel, das sie als Anleihe auf dem Kapitalmarkt verkauften. In einem zweiten Schritt wurden die hochriskanten Subprime-Hypotheken mit anderen Papieren gemischt (z. B. sichere Papiere, Kreditkartenschulden oder AutoleasingvertrĂ€ge) und so in hochkomplizierte Wertpapiere âverwandeltâ. Durch einen statistischen Trick bei der Risikobewertung wurden diese beim Rating als sicher eingestuft. KĂ€ufer solcher Papiere lieĂen sich dadurch tĂ€uschen und erkannten den toxischen Kern dieser âSchrott-Papiereâ nicht. AuĂerdem argumentierten die VerkĂ€ufer der Finanzprodukte, das Risiko werde minimiert, da es ja auf viele Schultern verteilt werde. Wie sich jetzt zeigt, wurde es durch diesen Vorgang jedoch vervielfacht.
Als dann die (variablen) Kreditzinsen der Hypotheken aufgrund einer sukzessiven Leitzins- Erhöhung ab 2003 immer mehr stiegen, sprangen die Raten fĂŒr HypothekenausfĂ€lle nach oben und ein Teufelskreis wurde in Gang gesetzt: Die Haushalte hatten keine SpielrĂ€ume mehr, neue Hypotheken aufzunehmen. Viele waren sogar zu ZwangsverkĂ€ufen ihrer HĂ€user gezwungen. Die HĂ€userpreise brachen ein. Und sobald die Immobilienpreise fielen, gerieten noch mehr Haushalte unter Druck und konnten ihre hohen Schulden nicht mehr bedienen, denn ihre Immobilien, die als Sicherheit dienten, waren nun weniger wert. Diese Spirale dreht sich unaufhaltsam weiter: die Immobilienpreise fallen, die Haushalte in den USA brechen unter der Schuldenlast zusammen.
Aufgrund der genannten Verflechtungen der einzelnen MĂ€rkte konnte diese Entwicklung natĂŒrlich nicht spurlos an den FinanzmĂ€rkten vorbeigehen, schlieĂlich standen Wertpapiere mit einem Volumen von mehreren Billionen US-Dollar in direktem oder indirektem Zusammenhang mit US-Hypotheken.
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Worin liegen die tieferen Ursachen der Krise?
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Obwohl die Subprime-Krise als direkter Auslöser angesehen werden kann, liegen die eigentlichen Ursachen der Krise tiefer. Im Zentrum steht einerseits die zunehmend ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen. KapitalbesitzerInnen verfĂŒgen ĂŒber groĂe Summen und legen diese dort an, wo sie besonders hohe Renditen erwarten, d.h. in den letzten Dekaden vor allem an den FinanzmĂ€rkten. Das hat auch mit der Entwicklung der Gewinn- und Lohneinkommen zu tun: die Löhne in den meisten Industriestaaten sind proportional gesunken und damit auch die Nachfrage und die Investitionen in die Realwirtschaft.
Die Finanzindustrie und KapitalbesitzerInnen haben ihre politischen Einflussmöglichkeiten massiv ausgeweitet und mit diesem Druck die Liberalisierung und Deregulierung der Weltwirtschaft wesentlich vorangetrieben. Als ideologisches Leitbild diente dabei das neoliberale Wirtschafts- und
Gesellschaftsmodell: Regulierungen, die als eine Folge der schlechten Erfahrungen mit unregulierten FinanzmĂ€rkten in der Weltwirtschaftskrise aufgebaut wurden, wurden seit den 70er Jahren nach und nach abgebaut. MaĂnahmen der Deregulierung waren u. a. die Aufhebung der festen Wechselkurse (System von âBretton Woodsâ) um 1973, die Abschaffung von Kapitalverkehrskontrollen, die Ausbreitung regulierungsfreier Zonen (Steuer- und Regulierungsoasen),sowie die Zulassung einer Vielzahl âinnovativerâ Finanzprodukte.
In Deutschland zĂ€hlen dazu verschiedene unter der Kohl-Regierung begonnene und unter Rot-GrĂŒn fortgesetzte MaĂnahmen zur Deregulierung, wie zum Beispiel die GewĂ€hrung von SteuerbegĂŒnstigungen fĂŒr Finanzinvestoren und auf Kapitaleinkommen sowie die Zulassung und steuerliche Förderung spekulativer Finanzinstrumente wie Hedgefonds.
Mit der Auslagerung staatlich organisierter Systeme (z.B. den sozialen Sicherungssystemen)] an die FinanzmĂ€rkte, beispielsweise bei der Privatisierung der Pensionssysteme oder bei der Umwandlung öffentlicher Anlagen [in Finanzinvestitionen (âCross Border Leasingâ) werden die FinanzmĂ€rkte weiter aufgeblĂ€ht. Zuvor öffentlich organisierte Lebensbereiche werden zugunsten der Interessen von AnlegerInnen umgestaltet. Institutionelle Anleger (Investmentfonds, Pensionsfonds, Staatsfonds) verwalten heute international den GroĂteil der gigantischen Geldvermögen und haben damit eine dominierende Machtposition im Finanzsystem eingenommen. Sie können Kapital schnell abziehen und verschĂ€rfen die Kurzfristorientierung zu Ungunsten langfristig angelegter Investitionen.
Diese Deregulierungen gehen einher mit fehlender internationaler Koordination, angefangen von der Umgehung staatlicher Regulierungen (z. B. Bei der Zulassung von Finanzprodukten oder Eigenkapitalvorschriften) bis hin zu unausgeglichenen Handelsbilanzen. So verfolgen LĂ€nder wie Deutschland, Japan oder China eine exportorientierte Politik, wĂ€hrend die USA durch âKonsum auf Pumpâ die ĂberschĂŒsse aufnimmt.
Diese Entwicklungen haben eine neue Form des Kapitalismus begrĂŒndet, die als globalisierter Kapitalismus, Finanzmarktkapitalismus, Shareholder-Kapitalismus, oder Casinokapitalismus bezeichnet wird. In diesem hat sich das VerhĂ€ltnis zwischen Realwirtschaft und FinanzmĂ€rkten umgekehrt: anstatt eine untergeordnete und instrumentelle Rolle fĂŒr die Realwirtschaft einzunehmen, bestimmt die Dynamik der FinanzmĂ€rkte weitgehend die realwirtschaftlichen AktivitĂ€ten. Nur vor diesem Hintergrund ist der Crash zu verstehen: Das Problem ist nicht die Krise â vielmehr war der Crash im normalen Betrieb der neoliberalen FinanzmĂ€rkte angelegt.
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Was ist denn eine Finanzmarkt-âBlaseâ?
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Eine Finanzmarktblase ist der maĂgeblich durch Spekulation angetriebene rasante Anstieg der Preise auf einem oder allen TeilmĂ€rkten des Finanzmarktes. Finanzblasen sind keine neue Erscheinung; sie entstanden immer wieder an den FinanzmĂ€rkten. Einige bekannte Beispiele neben der Weltwirtschaftskrise von 1929 sind die Tulpenkrise in Holland 1639, die SĂŒdsee-Blase in England, die Mississippi-Krise in Frankreich 1720 und die Weltwirtschaftskrise von 1857. Auch dem groĂen Crash an den US-Börsen 1929 war eine Finanzmarktblase vorangegangen. Dabei zeigt sich ein immer wiederkehrendes Muster in der Entstehung solcher Blasen: ZunĂ€chst sorgt ein positiver AnstoĂ (z. B. der AnkĂŒndigung neuer Rekordgewinne eines Aktienunternehmens) zur Erwartung steigender Preise. Dies fĂŒhrt zu zunehmenden KĂ€ufen und die Preise steigen weiter. Die tatsĂ€chlich entstandenen Gewinne rufen dann die Spekulation auf die BĂŒhne. Es wird gekauft, um teurer weiter zu verkaufen, ohne dass es zwangslĂ€ufig einen realen Gegenwert fĂŒr die Preisentwicklungen geben muss. In einem nĂ€chsten Schritt internationalisiert sich die Blase, in dem auch Kapital aus anderen LĂ€ndern in die Blase strömt und sie weiter aufblĂ€st. SpekulantInnen kalkulieren damit, dass sie von der âHausseâ profitieren und kurz vor dem Platzen der Blase abspringen können â was tatsĂ€chlich nur Einigen gelingt. In diesem Zustand reicht wie im Falle der Immobilienblase der Ausfall einiger Hypothekenkredite oder der Zusammenbruch der Hedgefonds, um eine Panikreaktion hervorzurufen. Die Blase platzt.
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Wie konnte sich die Krise so schnell weltweit ausbreiten
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Da die âinnovativenâ Wertpapiere eine höhere Rendite als andere Wertpapiere versprachen und gleichzeitig aufgrund der Verbriefung als sicher galten, wurden sie schnell von Investoren wie Versicherungskonzernen, Pensionsfonds, Banken und insbesondere Hedgefonds aus der ganzen Welt aufgekauft. Die beschriebenen Anleihen und Wertpapiere wurden so zum gröĂten Anlagepool der Welt. Bis Januar 2007 betrug ihr Gesamtwert 5.8 Billionen US-Dollar, davon entfielen 14 Prozent auf Subprime-Hypotheken. Die Menge der im Ausland gehaltenenhypothekenbesicherten US-Anleihen ist ebenfalls betrĂ€chtlich, sie beliefen sich auf etwa 850 Milliarden US-Dollar. Global waren so Banken und Fonds auf Wohl und Wehe mit dem amerikanischen Immobiliensektor verbunden. Der Umfang der verbrieften und weitergehandelten Risiken wurde unterschĂ€tzt, weil Banken diese ĂŒber Tochtergesellschaften wie Hedgefonds und Zweckgesellschaften (âSchattenbankensystemâ) aus den eigenen Bilanzen auslagerten. Auch hier haben Steuer- und Regulierungsoasen eine wichtige, verheerende Rolle gespielt.
Als die Hypotheken vermehrt ausfielen, sandte dies Schockwellen durch das ganze Finanzsystem und ĂŒbertrug sich so auf die gesamte Welt. Die vermeintlich breite Risikostreuung, von neoliberalen ĂkonomInnen gerne als Errungenschaft der freien FinanzmĂ€rkte gefeiert, wurde so zum VerhĂ€ngnis fĂŒr das globale Finanzsystem. Stellvertretend kann hierfĂŒr das Beispiel der deutschen IKB gesehen werden: Durch der bei ihr speziell fĂŒr diese Zwecke gegrĂŒndeten âRhineland Fundingâ stieg sie massiv in das GeschĂ€ft mit âSchrott-Kreditenâ ein. Nachdem die Rhineland Funding stark von KreditausfĂ€llen betroffen wurde, musste die IKB mit Garantien einspringen, was sie an den Rande des Bankrotts brachte, der nur dadurch vermieden wurde, dass die staatliche KfW ihrerseits mit LiquiditĂ€tsgarantien einsprang.
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Wie hĂ€ngt die sogenannte âFinanz-â mit der âRealwirtschaftâ zusammen?
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Die FinanzmÀrkte und die Realwirtschaft sind keine voneinander getrennten SphÀren. So liegen die tieferen strukturellen Ursachen der Finanzmarktkrise auch in der Realwirtschaft (siehe oben).
Die Wechselwirkungen zwischen FinanzmÀrkten und Realwirtschaft sind nicht statisch festgeschrieben, sondern verÀndern sich.
Die FinanzmĂ€rkte wurden seit den 70ern Jahren stark liberalisiert. In dieser Zeit sanken auch die Wachstumsraten des Bruttosozialprodukts in allen Regionen auĂer Asien. Damit sank auch die Nachfrage.
Mit der Ausweitung der FinanzmÀrkte hatten AnlegerInnen mehr Möglichkeiten, Kapital aus der Realwirtschaft abzuziehen und an den FinanzmÀrkten anzulegen. Aber auch Unternehmen konnten die FinanzmÀrkte in erweitertem Umfang nutzen.
Die Unternehmenspolitik Ă€nderte sich, da Firmen einfacher in Teile aufgespalten und an den FinanzmĂ€rkten ver- und gekauft werden konnten. Insbesondere in den 80er Jahren kam es zu einer Reihe feindlicher Ăbernahmen; Firmen verschuldeten sich um andere zu ĂŒbernehmen oder selbst nicht ĂŒbernommen zu werden Weitere Auswirkungen auf Unternehmen hatte auch das verĂ€nderte Anlageverhalten der AktionĂ€re: In der Nachkriegszeit waren noch ein GroĂteil der Aktien in der Hand von Haushalten, wĂ€hrend in den letzten Dekaden institutionelle Investoren immer gröĂere Anteile ĂŒbernahmen und Unternehmenspolitik ĂŒber abgestimmtes Verhalten beeinflussen konnten. Der âShareholder Valueâ wurde ein wichtiges Stichwort, mit dem gleichzeitig zurĂŒckgefahrene Investitionen, KĂŒrzungen und hohe DividendenausschĂŒttungen begrĂŒndet wurden. Gerade die Phase der New Economy zeigte, dass ManagerInnen in erster Linie den Aktienkurs ihres Unternehmens im Auge hatten, an dem sie durch Aktienoptionen beteiligt waren anstatt am Geldverdienen nach realwirtschaftlichen Kriterien. Da die Substanz von Unternehmen jedoch nicht beliebig zugunsten der Shareholder aufgebraucht werden kann, wandten einige Unternehmen eine weitere Strategie an: die kreative BuchfĂŒhrung die kurzfristig Gewinne fĂŒr das Unternehmen verspricht und die Folgekosten v. a. auf den Staat abwĂ€lzt.
Doch wie sind FinanzmÀrkte und Unternehmen gekoppelt?
FinanzmĂ€rkte spielen insbesondere eine Rolle bei der Finanzierung der Unternehmen und zum anderen bei der Unternehmenskontrolle, also der Mitsprache bei Unternehmensentscheidungen ĂŒber die Sanktionsmacht der AnlegerInnen.
Unternehmen finanzieren sich v. a. ĂŒber Eigenkapital, Kredite (und oft auch ĂŒber staatliche Subventionen) Aktiengesellschaften zusĂ€tzlich ĂŒber Aktien und Unternehmensanleihen. Durch Finanzmarktcrashs schrĂ€nken die Banken weltweit ihre Kreditvergabe ein, da sie durch die Finanzkrise empfindlich geschwĂ€cht sind. Entsprechend sind sie kaum noch bereit und in der Lage, neue Risiken z. B. in Form von Krediten an Unternehmen einzugehen. Sinkende Nachfrage, weniger Kredite oder ungĂŒnstigere Kreditkonditionen aber fĂŒhren zu weniger Investitionen und damit zu geringer wirtschaftlicher Dynamik. Daneben kann es durch das Abkommen Basel II zu EinschrĂ€nkungen bei der Kreditvergabe fĂŒr wenig kapitalstarke, kleine und mittelstĂ€ndische Unternehmen kommen.
Neben den bisher aufgezeigten Arten der Einflussnahme, wirkt sich auch der Finanzmarktcrash selbst direkt auf die Realwirtschaft aus: Durch die Krise stĂŒrzte die USA, als noch immer gröĂte Volkswirtschaft der Welt in eine schwere Rezession und entsprechend schrĂ€nkten die US-Haushalte â und damit das Zugpferd der Weltwirtschaft â ihren Konsum deutlich ein. Damit brach der wichtigste Absatzmarkt fĂŒr Unternehmen auf der ganzen Weltzusammen. Das setzte eine Kettenreaktion in Gang. Von den Folgen lesen wir derzeit tagtĂ€glich in der Zeitung: Unternehmen gehen pleite oder schrĂ€nken ihre Produktion ein, stellen auf Kurzarbeit um oder entlassen massenhaft ArbeitnehmerInnen. Weltweit verlieren die Menschen ihre Lebensgrundlage (oder fĂŒrchten deren Verulst) . Sie kaufen weniger ein, teils um sich auf die hĂ€rteren Zeiten einzustellen, teils weil sie kein Geld fĂŒr den Konsum mehr vorhanden ist. Das treibt die Unternehmen wiederum dazu, ihre Produktion noch weiter einzuschrĂ€nken. Dieser Teufelskreis aus sich verdĂŒsternden Erwartungen der Unternehmen sowie der Menschen einerseits und realen ZwĂ€ngen andererseits dreht sich immer schneller.
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Was hat die Finanzmarktkrise mit den Steueroasen zu tun?
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Durch Steueroasen ist das AusmaĂ der Krise erheblich verschĂ€rft worden. Erstens sind Steueroasen auch Regulierungsoasen. Dort angemeldete Akteure (Unternehmen, Banken und Versicherungen, Privatpersonen) unterliegen nicht den Gesetzen des Landes, in dem sich die GeschĂ€ftstĂ€tigkeit abspielt, sondern den kaum vorhandenen âRegelungenâ der Steueroase. Im Vorfeld der Subprime-Krise haben Banken und InvestorInnen im groĂen Stil "Schattenbanken" (u. a. auĂerbilanzielle Zweckgesellschaften, Hedgefonds) in Steuer- und Regulierungsoasen gegrĂŒndet, um Risiken aus den Bilanzen auszulagern und Eigenkapitalvorschriften zu umgehen. Dadurch konnte der Umfang der vergebenen faulen Kredite ausgeweitet werden. Als die Spekulationen nicht mehr aufgingen, mussten Banken die Verluste ihrer zahlungsunfĂ€higen, in Oasen angesiedelten Töchter in die eigenen Bilanzen aufnehmen, da diese keinen Zugang zu Notkrediten hatten. Zweitens kann das AusmaĂ der Krise schlecht abgeschĂ€tzt werden: Augrund fehlender Transparenz (Bankgeheimnis und keine Weitergabe von Informationen) ist nicht bekannt, welche Risiken noch versteckt sind. Das hat wiederum Auswirkung auf die Kreditvergabe der Banken, die aus Angst vor einer Pleite des GeschĂ€ftspartners weniger Kredite vergeben. So entstehen im Falle einer Bankenrettung durch den Staat auch die aktuellen Unsicherheiten bei der AbschĂ€tzung der Kosten.
Drittens sind Steueroasen ein Werkzeug zur Umverteilung zugunsten der Vermögenden und Unternehmen, da meistens nur diese Akteure solche Strukturen nutzen können. Die verloren gegangenen Steuergelder werden nicht von Staaten investiert, sondern von den NutzerInnen der Steueroasen. Das fĂŒhrt zu einer weiteren AufblĂ€hung der Kapitalvermögen und damit auch der FinanzmĂ€rkte, da solche InvestorInnen an einer Maximalrendite interessiert sind.
Als letzten Punkt heizen Steueroasen den Steuerwettlauf nach unten an, weil sich andere LĂ€nder gezwungen sehen, nachzuziehen.
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Kann man einzelne Personen oder Institutionen fĂŒr die Katastrophe verantwortlich machen?
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Es sind allen voran die neoliberalen MeinungsmacherInnen, die uns derzeit Glauben machen wollen, dass die Krise nur auf Fehler einzelner Akteure aus Wirtschaft und Politik zurĂŒckzufĂŒhren ist. Die Debatten ĂŒber ĂŒberzogene Manager-GehĂ€lter und die Gier einzelner Banker sind bei aller Richtigkeit doch verkĂŒrzt. Die aktuelle Krise ist kein âBetriebsunfallâ. Obwohl natĂŒrlich hinter den auslösenden Effekten der Krise immer auch Akteure stehen, kann deren Verhalten nur vor dem Hintergrund struktureller Eigenschaften des Weltfinanzsystems verstanden werden. Dass psychologisierende Deutungen am Problem vorbeigehen, zeigt im RĂŒckblick die nach dem Crash von 1929 hervorgebrachte, absurde Deutung, die Krise sei durch âVerrohungâ und durch Alkoholkonsum entstanden.
Zu kritisieren ist jedoch das System der VergĂŒtung des (Finanz-)Managements, das sich in den letzten Jahren herausgebildet hat. Neben âherkömmlichenâ Methoden der Bereicherung ĂŒber GehĂ€lter, den Shareholder-Value und Spekulation, zogen ManagerInnen, BeraterInnen und Fachpersonal ĂŒber Boni und Honorare exorbitante Summen aus den Unternehmen. Allein die Banken der Wall Street zahlten im Krisenjahr 2008 ĂŒber 18 Milliarden US-Dollar an ihre Angestellten; im Vorjahr waren es ĂŒber 33 Milliarden US-Dollar. Dazu kommen weitere VergĂŒnstigungen, z. B. Steuervorteile oder ĂŒberdurchschnittlich hoch verzinste Managerkonten, wie mit 9 Prozent im Jahr 2007 die von Freddie Mac.
Dieses System der Bezahlung ist nicht nur ungerecht, es bietet vor allem falsche Anreize und hat somit systemische Auswirkungen. Sowohl beim Boni-System als auch bei der Bezahlung von ManagerInnen ĂŒber Aktienoptionen werden die ManagerInnen belohnt, die kurzfristig die Kurse nach oben treiben, damit eine Kurzfristorientierung befördern und groĂe Risiken eingehen â im Falle des Crashs muss dann die Gesellschaft fĂŒr die Verluste aufkommen.
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Was steckt eigentlich drin im Konjunkturpaket?
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Mitte Januar 2009 hat der Bundestag das Konjunkturprogramm II mit dem euphemistischen Namen âEntschlossen in der Krise, stark fĂŒr den nĂ€chsten Aufschwungâ, verabschiedet. In diesem Rahmen sind knapp 50 Milliarden Euro fĂŒr konjunkturelle MaĂnahmen als Abmilderung der Krisenfolgen vorgesehen.
Von diesen 50 Milliarden Euro sollen 18 Milliarden Euro fĂŒr staatliche Investitionen ausgegeben werden. Auf den ersten Blick wirkt das wie nötige Investitionen in öffentlichen Personenverkehr und in Bildung -- in Wirklichkeit entpuppt es sich im Detail als ein klassisches âHauptsache Wachstumâ- Paket. Ein groĂer Teil dieser riesigen Summe soll nĂ€mlich nicht zur Finanzierung eines bezahlbaren und hochwertigen öffentlichen Personenverkehrs eingesetzt werden, sondern soll in den StraĂenbau flieĂen. Bei den angekĂŒndigten Investitionen in die Bildung handelt es sich vor allem um dringend notwendige GebĂ€udesanierung, um Renovierung und energetische Verbesserungen. Dringend nötige Investitionen in die Lehre, den Ausbau von Ganztagesschulen oder um eine Investition in neue ArbeitsplĂ€tze fĂŒr SonderpĂ€dagogInnen werden damit nicht finanziert. Weitere 18 Milliarden Euro werden fĂŒr Steuer- und Abgabensenkungen ausgegeben. Die eine HĂ€lfte fĂŒr eine Senkung der KrankenkassenbeitrĂ€ge um 0,6 Prozentpunkte. Die andere HĂ€lfte fĂŒr Erleichterungen bei der Einkommenssteuer. Hierbei soll zum einen der Grundfreibetrag um gut 300 Euro erhöht und zum anderen der Eingangssteuersatz um einen Prozentpunkt gesenkt werden. Konjunkturpolitisch ist diese MaĂnahme höchst fragwĂŒrdig. Notwendig wĂ€re es, jenen Bevölkerungsgruppen mehr Geld zur VerfĂŒgung zu stellen, die den gröĂten Teil ihres Einkommens direkt fĂŒr den Konsum ausgeben. Dies wĂ€ren in erster Linie sozial schwache Menschen wie Hartz IV â EmpfĂ€ngerInnen, prekĂ€r BeschĂ€ftigte und viele MigrantInnen. Diese Menschen zahlen aber keine bzw. sehr wenig Einkommenssteuern. Daher gehen die Steuersenkungen an ihnen vorbei.
Die weiteren Ausgaben verteilen sich auf unterschiedliche Bereiche, wobei der der Kinderbonus und die AbwrackprĂ€mie die gröĂten Posten darstellen. Der Kinderbonus sieht zum einen eine einmalige Zusatzzahlung von 100 Euro pro Kind und zum anderen eine Anhebung des Hartz IV â Regelsatzes fĂŒr Kinder zwischen 6 und 13 Jahren von 60 auf 70 Prozent des Regelsatzes fĂŒr Erwachsene vor. Diese Erhöhung Ă€ndert nichts an der Verfassungswidrigkeit der Hartz IV â Leistungen fĂŒr Kinder, die das Bundessozialgericht in Kassel der Regierung kĂŒrzlich bescheinigte. Im Steuerrecht ist bereits ein kindliches Existenzminimum festgeschrieben. Dieses betrĂ€gt 502 Euro. Die Hartz IV â Leistungen fĂŒr Kinder hingegen belaufen sich je nach Alter auf 211 bis 281 Euro. Indes ist jedes siebte Kind in Deutschland von Armut betroffen.
Auch die AbwrackprĂ€mie ist scharf zu kritisieren. Sie sieht eine PrĂ€mie von 2.500 Euro fĂŒr die Verschrottung eines alten Autos bei gleichzeitigem Kauf eines neuen Wagens vor. Ungeachtet der Tatsache, dass die deutsche Autoindustrie ohne strukturelle VerĂ€nderungen keine Zukunft hat, werden mit der PrĂ€mie nicht einmal ökologische Auflagen wie eine CO2 â Obergrenze fĂŒr die Neuwagen verbunden. Eine zukunftsfĂ€hige Automobilbranche ist nur ĂŒber einen ökologischen Umbau zu haben â und nicht ĂŒber eine kĂŒnstlich geschaffene Nachfrage ohne nachhaltige Wirkung.
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Warum mĂŒssen die Banken jetzt gestĂŒtzt werden, obwohl sie schlecht gewirtschaftet haben?
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Es wirkt absurd und hinterlĂ€sst tatsĂ€chlich einen sehr bitteren Beigeschmack, dass diejenigen, die uns vom heilenden Effekt der âMarktbereinigungâ in Form von Pleiten und Massenentlassungen gepredigt haben, nun gerettet werden sollen. Doch wie schĂ€dlich ein Zusammenbruch einer groĂen Bank ĂŒber Staatsgrenzen hinweg sein kann, sieht man an dem Beispiel der Pleite der groĂen US-Investmentbank Lehman Brothers. Der Fehler der US- Administration, diese Bank nicht zu retten, verschĂ€rfte die Finanzkrise und trug sie aus den USA auf die gesamte Welt. Von den realwirtschaftlichen Auswirkungen, sogenannten âKreditklemmenâ (also das Ausbleiben der Vergabe von Krediten durch die Banken), bis hin zum Ausfall von Ersparniseinlagen sind keineswegs nur WertpapierhalterInnen betroffen, sondern alle Teile der Bevölkerung. Skandalös bei der Bankenrettung ist daher weniger die Tatsache dass sie gerettet werden, sondern die Art und Weise: Diejenigen, die enorme Gewinne mit den GeschĂ€ften der Banken gemacht haben, nĂ€mlich VorstĂ€nde, Broker und Anteilseigner, werden vom Steuerzahler entlastet. Und obwohl die einmalige Chance besteht, im Rahmen der Krisenmanagements die Banken zu vergesellschaften und das Banken- und Kreditwesen endlich unter demokratische Kontrolle zu bringen, werden dreistellige MilliardenbetrĂ€ge ausgegeben ohne wirksame Bedingungen an die Banken zu stellen.
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Wo kommt das Geld fĂŒr die Bankenrettung her?
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Das aktuelle Banken-Rettungspaket (Stand Januar 2009) besteht aus zwei SĂ€ulen. Zum einen werden 400 Milliarden Euro fĂŒr staatliche Kreditgarantien bereitgestellt. In diesem Umfang verspricht der Staat, fĂŒr ZahlungsausfĂ€lle bei KreditgeschĂ€ften zwischen Banken zu bĂŒrgen. Zum anderen werden 80 Milliarden Euro fĂŒr die Rekapitalisierung von angeschlagenen Banken zur VerfĂŒgung gestellt. Damit soll der Staat entweder faule Kredite aufkaufen oder Anteile der Bank erwerben. Der Umfang des Rettungspakets entspricht damit in etwa den gesamten jĂ€hrlichen Steuereinnahmen der Bundesrepublik Deutschland.
Wie viel davon tatsĂ€chlich zum Einsatz kommt, hĂ€ngt in erster Linie davon ab, in welchem Umfang diejenigen Kredite ausfallen werden, fĂŒr die der Staat eine BĂŒrgschaft ĂŒbernommen hat. Die Regierung rechnet mit 5 Prozent, also mit 20 Milliarden Euro. Diese Rechnung ist aber völlig unrealistisch, denn SchĂ€tzungen zufolge betrĂ€gt der Umfang an faulen Krediten, die noch bei deutschen Banken lagern, bis zu 1000 Miliarden Euro. Die Krise der Banken ist noch lange nicht vorbei, vielmehr sind weitere KreditausfĂ€lle in sehr hohem Umfang zu erwarten. DafĂŒr mĂŒssten dann die SteuerzahlerInnen einspringen.
Hinzu kommen noch die 80 Milliarden Euro fĂŒr die Rekapitalisierung der angeschlagenen Banken. Von dieser SĂ€ule wird mittlerweile umfangreich Gebrauch gemacht. So hat der Staat Anfang Januar 25,1 Prozent der Commerzbank-Aktion aufgekauft. Der Staat hofft dabei, nur einen kleinen Teil davon tatsĂ€chlich bezahlen zu mĂŒssen, weil er durch Dividendeneinnahmen und durch einen gewinnbringenden Wiederverkauf der Bankanteile nach der Krise Einnahmen gegenrechnen kann. Doch die gegenwĂ€rtige unsichere Lage lĂ€sst solche Rechenspiele eher unrealistisch erscheinen.
Wie hoch die realen Kosten fĂŒr das Rettungspaket sein werden, lĂ€sst sich also noch lange nicht sagen. Getragen werden sollen sie zu 65 Prozent vom Bund und zu 35 Prozent von den LĂ€ndern â in erster Linie ĂŒber neue Schulden. Die ehrgeizigen Ziele der Regierung beim Schuldenabbau â(Stichwort: âSchuldenbremseâ) sowie restriktive Regelungen der EU lassen allerdings erwarten, dass alles daran gesetzt wird, die Neuverschuldung so gering wie möglich zu halten. Die BefĂŒrchtung, dass die Regierung versuchen wird, die Staatsausgaben durch weitere KĂŒrzungen in der sozialen Sicherung, beim Umweltschutz und in der Entwicklungszusammenarbeit zu verringern, ist daher sicher nicht aus der Luft gegriffen.
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Wo liegt genau der Betrug und wer trÀgt den Schaden?
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Wir erleben, dass Banken mit enormen MilliardenbetrĂ€gen âgerettetâ werden, obwohl ihr Börsenwert weit unter diesem Wert liegt. Dies bedeutet im Kern, dass die SteuerzahlerInnen fĂŒr das Platzen der Spekulationsblase bezahlen. Steuerzahlerinnen erstatten somit den Banken bzw. deren GlĂ€ubigern Geld fĂŒr âForderungenâ von anderen SpekulantInnen fĂŒr âWerteâ, die tatsĂ€chlich nicht existieren!
Der Betrug liegt auch darin, dass Finanzinvestoren, z. B. Hedgefonds Unternehmen âkauftenâ, obwohl sie eigentlich gar kein Geld dafĂŒr hatten Das GeschĂ€ftsmodell funktionierte so: Der Kaufpreis wird dem gekauften Unternehmen in Form von Schulden aufgehalst, muss dort von den BeschĂ€ftigten erwirtschaftet und an den Fonds abgefĂŒhrt werden. Diese Konstruktion hat zum Beispiel SchĂ€ffler bei der Ăbernahme von Continental benutzt, zuvor wiederum die Continental bei der Ăbernahme von VDO usw. Weil das Geld aus der Produktion abgezogen wird, wo es fĂŒr Investitionen, Forschung, Entwicklung, Qualifizierung und Personal dringend benötigt wird, , hat diese GeschĂ€ftsmodell nur auf dem RĂŒcken der Belegschaften funktioniert.
Wer trĂ€gt also den Schaden? Da die Haupteinnahmequellen des Staates die Einkommenssteuer und die Mehrwertsteuer sind, mĂŒssen vor allem die âkleinen Leuteâ, gemessen an ihrem Gesamteinkommen- und Vermögen fĂŒr einen proportional groĂen Teil des Schadens einstehen. Weiter zahlen die BeschĂ€ftigten bei SparmaĂnahmen in Betrieben und Verwaltungen in allen Wirtschaftsbereichen. Hunderttausende verlieren ihren Arbeitsplatz, mĂŒssen in Kurzarbeit oder sehen Lohnsenkungen auf sich zukommen. Die ersten Opfer waren die Leih- und Zeitarbeiter, die nach dem Auslaufen ihrer VertrĂ€ge nicht weiter beschĂ€ftigt werden. In der Folge von Lohnsenkungen werden vermutlich auch Sozialleistungen weiter gekĂŒrzt â weil Sozialleistungen in einem bestimmten VerhĂ€ltnis zu den niedrigen Löhnen stehen sollen: Es werden also wieder die Ărmsten sein, die GeringverdienerInnen, die erwerbslos Gewordenen, die Arbeitslosengeld- und Hartz-IV-BezieherInnen die fĂŒr die âSchuldenâ aufkommen.
WĂ€hrend MĂ€nner in Boomphasen stĂ€rker profitieren, da sie ĂŒber wesentlich mehr Kapital verfĂŒgen als Frauen, sind Frauen von den Folgen der Krise gravierender betroffen. Wenn öffentliche Ausgaben gekĂŒrzt werden (z. B. im Gesundheitsbereich) wird von Frauen erwartet, dass sie die fehlenden staatlichen Leistungen quasi âprivatâ erledigen. Studien zur Asienkrise haben gezeigt dass Frauen in einer Krise frĂŒher entlassen werden, ihre Löhne ĂŒberproportional fallen, MĂ€dchen aus der Schule genommen werden und Prostitution und hĂ€usliche Gewalt zunehmen.
Hart getroffen werden auĂerdem Entwicklungs- und SchwellenlĂ€nder. So ist die Kreditaufnahme durch die Krise verteuert. AnlegerInnen und Banken ziehen Kapital ab weil sie es selbst brauchen oder um es in Staatsanleihen der Industriestaaten anzulegen. Exporte brechen in einigen Regionen (v. a. China) ein. EntwicklungslĂ€nder sind zudem ĂŒber Schwankungen der Preise von Lebensmitteln betroffen, die zu einem Teil durch Umschichtungen von AnlegerInnen verursacht wurden.
Die gegenwĂ€rtig stattfindende RĂŒcknahme von KlimaschutzbemĂŒhungen zeigt, dass die Kosten der Krise zudem auf Umwelt und Klima abgewĂ€lzt werden.
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Wer berÀt eigentlich die Regierung?
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Kapitalistische Wirtschaftsysteme neigen schon immer zu enger Verbandelung und Personalunion zwischen Wirtschaftseliten und politischen EntscheidungstrÀgern.
Dies zeigt sich nun im weltweiten Krisenmanagement wieder in voller BlĂŒte. Das Rettungspaket fĂŒr die Banken wurde unter direkter Mitwirkung von Bankern, allen voran dem Chef der Deutschen Bank Ackermann, inhaltlich festgeklopft. Die Regeln wurden von einer den Banken dienenden Anwaltskanzlei formuliert. Auch das Beratergremium der Bundeskanzlerin, das unter Vorsitz des ehemaligen Vorstandsmitglieds der Deutschen Bundesbank Otmar Issing VorschlĂ€ge fĂŒr eine Reform der Internationalen FinanzmĂ€rkte erarbeiten soll, wird von Banken und Wissenschaftlern bestimmt â von denselben Personen, die in der Vergangenheit fĂŒr die deregulierten FinanzmĂ€rkte getrommelt haben. Wen wundert es da, dass die Interessen der Banken und ihrer Anteilseigner, nicht aber das Allgemeininteresse berĂŒcksichtigt wurden. Die SteuerzahlerInnen sollen fĂŒr die Verluste aufkommen, danach soll das BankgeschĂ€ft munter weiter gehen wie bisher. Zwar werden in Deutschland die GehĂ€lter fĂŒr das Managementder Banken, die unter den Rettungsschirm kriechen, begrenzt â dennoch wurden die milliardenschweren Bonuszahlungen der inzwischen von der Commerzbank ĂŒbernommenen Dresdener Bank nicht einmal fĂŒr das Verlustjahr 2008 verhindert. Steuergelder flieĂen somit direkt in die Taschen von Investmensbankern und VorstĂ€nden. Auch in den USA und anderswo werden fĂŒr das Krisenjahr munter extrem hohe Boni ausgeschĂŒttet.
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Welche politischen MaĂnahmen wĂ€ren wirklich nötig?
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Ein echter Lösungsansatz fĂŒr die Krise muss neben einer sozialen und ökologischen Lösung der aktuen Krisenauswirkungen auch die tiefer liegenden Ursachen bekĂ€mpfen. Es muss eine radikale Umverteilung eingeleitet werden, um die FinanzmĂ€rkte zu schrumpfen. Instrument dafĂŒr wĂ€re neben einem radikalen Kurswechsel in der Steuerpolitik (Link zur solidarischen Einfachsteuer) eine einmalige Sonderabgabe auf Vermögen zur BewĂ€ltigung der Krise . Durch eine konsequente weltweite Umverteilung von oben nach unten kann den FinanzmĂ€rkten das viele Geld entzogen werden. Faire Löhne, existenzsichernde Transferleistungen sowie angemessene Arbeitsbedingungen sind nicht Teil des Problems, wie es uns die neoliberalen Eliten weismachen wollen, sondern wichtiger Teil der Lösung.
Die Steuer- und Regulierungsoasen, mit deren Hilfe die Banken und andere Finanzakteure wie Hedgefonds und Private-Equity Firmen Regulierungen umgehen und Steuern hinterziehen, mĂŒssen endlich trocken gelegt werden. Das SchlieĂen von Steueroasen ist eine Frage des politischen Willens. Die meisten Steueroasen sind Protektorate europĂ€ischer LĂ€nder bzw. der USA und könnten durch politischen Druck geschlossen werden (wie auch die AufklĂ€rung der FinanzflĂŒsse TerrorverdĂ€chtiger nach dem 11. September zeigte). Bei Nichtkooperation der Steueroasen muss der Kapitalverkehr in und von diesen LĂ€ndern eingeschrĂ€nkt werden. Konzernen, die Briefkastenfilialen auf Steueroasen unterhalten, muss die Lizenz entzogen werden. Banken, Versicherungen und Unternehmen, die Rettungspakete beanspruchen, mĂŒssen ihre Filialen in Steueroasen schlieĂen.
Die öffentliche Daseinsvorsorge muss der WillkĂŒr und dem irrationalen Herdentrieb privater Investoren entzogen werden. Sie muss wieder allein dem Gemeinwohlinteresse dienen. Darum darf es keine weiteren Privatisierungen geben. Die Privatisierung der Bahn muss endgĂŒltig vom Tisch, der Gesundheitsfonds und die Privatisierung der sozialen Sicherungssysteme mĂŒssen zurĂŒckgenommen werden. Insbesondere die Teilprivatisierung der Rente unter der rot-grĂŒnen Koalition, die mit zur AufblĂ€hung der FinanzmĂ€rkte beitrĂ€gt, muss durch eine solidarische BĂŒrgerversicherung ersetzt werden.
DarĂŒber hinaus mĂŒssen die FinanzmĂ€rkte durch eine strenge Regulierung entwaffnet werden. Wir fordern daher eine Steuer auf alle Finanztransaktionen, um diejenigen Finanzakteure zu stoppen, die mit kurzfristigen hochspekulativen GeschĂ€ften Profite auf Kosten der Allgemeinheit machen.Auch muss es Regulierungen geben, die die Macht der internationalen FinanzmĂ€rkte weiter zurĂŒck drĂ€ngen. Kapitalverkehrskontrollen mĂŒssen Tempo und VolatilitĂ€t reduzieren können. Das Schattenbankensystem aus Hedge-Fonds, Zweckgesellschaften und anderen unregulierten Finanzakteuren muss verboten werden. Ein Finanzmarkt-TĂV muss eingerichtet werden, der neue Finanzinstrumente standardisiert und prĂŒft, bevor diese gehandelt werden dĂŒrfen. Mit der Besteuerung aller Arten von Finanztransaktionen (inklusive Devisentransaktionen) wollen wir Spekulation reduzieren und die Kurzfristorientierung der FinanzmĂ€rkte schwĂ€chen.
Als SchlĂŒsselbranche im Kapitalismus gehören die Banken unter öffentliche Kontrolle. Dabei geht es nicht darum, bankrotte Banken einfach nur zu verstaatlichen, sondern gerade darum, finanzstarken Instituten demokratische Kontrollmechanismen aufzuzwingen. AuĂerdem muss das öffentliche und genossenschaftliche Bankensystem gestĂ€rkt werden.
In hektischer Betriebsamkeit hat die Bundesregierung die Klimadiskussion und sĂ€mtliche Erkenntnisse daraus ĂŒber Bord geworfen. Es darf aber keine KrisenmaĂnahmen geben, die den Klimawandel und die Zerstörung unserer natĂŒrlichen Lebensgrundlagen noch weiter anheizen. Anstelle eines Wachstums um jeden Preis mĂŒssen wir auch ĂŒber die ökologischen und sozialen Grenzen von Wirtschaftswachstum reden und die Konsequenzen daraus ziehen. Dass diese nicht auf Kosten der BeschĂ€ftigten gehen dĂŒrfen, versteht sich von selbst.
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Warum werden diese MaĂnahmen nicht ergriffen?
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Trotz aller kritischen Rhetorik, die seit Herbst 2008 bei den Regierenden Einzug gehalten hat, zeigen alle bisherigen MaĂnahmen, dass der Einfluss der wirtschaftlich MĂ€chtigen, die auf den liberalisierten FinanzmĂ€rkten hohe Profite erzielten, immer noch ungebrochen ist. Sie wollen es dabei belassen, dass Gewinne privatisiert und Verluste aber sozialisiert werden. Auch den Bankern gefĂ€llt ihre Position in Privatbetrieben mit staatlicher Garantie gegen Insolvenz und Bankrott. In den Köpfen der meisten PolitikerInnen hat die neoliberale Ideologie immer noch ihren festen Platz. Zwar merken sie, dass sie insbesondere im Wahljahr das System der FinanzmĂ€rkte nicht unkritisch verteidigen dĂŒrfen. Wer aber genau hinhört und hinsieht, merkt schnell, dass zwar die Krise möglichst rasch ĂŒberwunden werden soll, jedoch nur um dann wieder weiter zu machen, wie bisher. Auch ist die enge Personalunion bzw. die starke Lobbyposition der Wirtschafts- und Bankeneliten zu den politischen EntscheidungstrĂ€gerInnen immens. Auch dies verhindert ein echtes Umdenken.
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Was können wir tun, um das zu Àndern?
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Gesellschaftliche VerĂ€nderungen haben schon immer zivilgesellschaftlichen Druck von unten gebraucht. Speziell wenn es um VerĂ€nderungen geht, die fĂŒr die Reichen und MĂ€chtigen schmerzliche Verluste mit sich bringen können, dĂŒrfen wir uns nicht auf die Polit-Eliten verlassen.
Attac bietet vielfÀltige Möglichkeiten, genau jetzt in Zeiten der Krise, wenn es am meisten Chancen auf VerÀnderung gibt, aktiv zu werden.
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